Eist Leitbild

Leitbild der EGMJ a.s.b.l. für Jugendarbeit als non-formale Bildung

Als Dachverband ist es eine zentrale Aufgabe der EGMJ, ihre Mitglieder bei der Planung, Umsetzung und Evaluierung der vielfältigen Aufgaben von Jugendarbeit zu beraten und zu unterstützen. Eine weitere Aufgabe besteht darin, das Selbstverständnis – die Philosophie, den Bildungsauftrag – des Verbandes und seiner Mitglieder im jugendpolitischen Diskurs mit allen relevanten Akteuren im Land zu kommunizieren und so zu Innovation und Qualität in der Jugendarbeit beizutragen.

Voraussetzung, um diese Aufgaben erfüllen zu können, sind kontinuierliche Diskussionen und Meinungsbildungsprozesse innerhalb des Verbandes darüber, was heutige Anforderungen an Jugendarbeit sind, welches gemeinsame Bildungsverständnis trotz der jeweils vielfältig diversifizierten Arbeit vor Ort zugrunde liegt und welche gesellschaftspolitischen Orientierungen die Mitglieder teilen. Dieses Leitbild gibt darüber Auskunft. Es ist nicht mit dem Anspruch einer letzten Gültigkeit formuliert, sondern beinhaltet ausdrücklich die Option der Veränderung und Weiterentwicklung.

(Offene) Jugendarbeit, jugendspezifische Projekte und Aktionen, Information, Beratung und Prävention sind gemeinsame Merkmale für die Arbeit aller Mitglieder der EGMJ. Die Inhalte ergeben sich aus dem individuellen Bedarf der Jugendlichen und aus jugendpolitischen Zielsetzungen auf nationaler, kommunaler und lokaler Ebene. Dabei geht es nicht nur um diejenigen Jugendlichen, die bereits eine Jugendstruktur aufsuchen, sondern auch um jene, die für die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten der (Offenen) Jugendarbeit erst motiviert werden müssen. Den verbindenden gemeinsamen Rahmen bilden jugendpolitische Prioritäten, die landesweit und auch für die europäische Ebene relevant sind:

  • Vermittlung demokratischer Werte (Citoyenneté) und Förderung vielfältiger Beteiligungsformen (Partizipation);
  • Förderung von Integration und Inklusion durch Angebote von Lernprozessen, die positiv auf die Entwicklung personaler, sozialer und interkultureller Kompetenzen der Jugendlichen einwirken können.

Integration und Inklusion sind Voraussetzung für gelingende individuelle, gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Die durchaus alltagsrelevante multikulturelle Gesellschaftsstruktur in Luxemburg stellt für diese Ziele eine zusätzliche Herausforderung und Chance dar.

Die Aufnahme der Bedürfnisse der Jugendlichen und die Berücksichtigung ihrer jeweiligen Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten in der alltäglichen Arbeit der Jugendstrukturen entspricht dem Prinzip der Alltags- und Lebensweltorientierung – ein grundlegendes Prinzip non-formaler und informeller Bildung. Die EGMJ ordnet die Arbeit ihrer Mitglieder eindeutig diesem Bildungsbereich zu, sieht aber gleichzeitig auch die Notwendigkeit, Grenzbereiche und Überschneidungssituationen zwischen formalen und non-formalen Lernsituationen systematisch durch neue Kooperationsformen zu nutzen und Synergien im Interesse der Jugendlichen herzustellen.

Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Pluralisierung und individualisierte Lebensformen, längere und fließende Übergänge zwischen Jugend- und Erwachsenenalter sowie benachteiligende und diskriminierende gesellschaftliche Bedingungen können dazu führen, dass Menschen ihr Leben oftmals nicht mehr alleine bewältigen können. Junge Menschen sind hiervon aufgrund ihrer vielfältigen Entwicklungsaufgaben oftmals in einem noch höheren Maße betroffen. Die Zahl jener Jugendlichen, die aus den verschiedensten Gründen nicht (mehr) auf die notwendige Förderung und Unterstützung durch ihr Elternhaus zurückgreifen können oder die kaum oder gar nicht über Kompetenzen und Qualifikationen verfügen, eine positive Lebensperspektive zu entwickeln und in einer positiven Lebensplanung umzusetzen, nimmt zu. Sie sind entsprechend auch vermehrt im Jugendhaus oder anderen Strukturen der (Offenen) Jugendarbeit anzutreffen und bedürfen besonderer Lernreize und begleiteter Lernangebote, die sie wieder motivieren, sich mit ihrer Zukunft verantwortlich auseinander zu setzen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Diese Jugendlichen sind eine wichtige Zielgruppe in der Arbeit aller Mitglieder der EGMJ, weil Jugendarbeit ihrem Gefühl von Versagen, von mangelnden Teilhabemöglichkeiten an jugendkulturellen Ausdrucksformen und gesellschaftlichen Aktivitäten, ihrem oft aus „Negativerfolgen“ begründeten labilen Selbstwertgefühl etwas entgegen zu setzen hat: Grundsätzliche Anerkennung und Wertschätzung der Person und erfahrungsbezogene und ressourcenorientierte, interaktive und partizipierende Lernmöglichkeiten ohne repressive Sanktionen.

Die Strukturen der Offenen Jugendarbeit ermöglichen damit Lernsituationen, die teils auch spielerisch Verbindungen zwischen kognitivem, affektivem und praktischem Lernen entstehen lassen. Damit leistet Jugendarbeit als non-formale Bildung im Verständnis der EGMJ und ihrer Mitglieder durch die Entwicklung und Förderung wichtiger Schlüsselkompetenzen einen wesentlichen Beitrag zu einer positiven Sozialisation und Selbstwerdung der Jugendlichen.

Dies gilt für alle Jugendlichen ohne Einschränkung – die Fokussierung in diesem Leitbild auf jene Jugendliche, die erkennbar einen erhöhten Förderbedarf haben, entspricht der augenblicklichen Situation in vielen Mitgliedseinrichtungen der EGMJ und wurde auch im Rahmen des „Outreach Youth Work“ in besonderem Maße deutlich.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass die EGMJ Jugendarbeit ausschließlich auf benachteiligte Jugendliche bezieht. Jugendarbeit ist im Verständnis der EGMJ und ihrer Mitglieder für alle Jugendlichen eine Gelegenheit und ein Lernfeld, außerhalb eher formaler Strukturen Demokratie leben zu lernen.